Stacheln

Über dieses Bild habe ich eine Zeit lang meditiert. Stacheln schützen, können aber ebenso verletzen, wenn der gebührende Abstand nicht eingehalten wird. Eine Edelkastanie schützt ihre Samen und damit ihr Erbgut mit Stacheln. Wie schütze ich mich? Was sind meine Stacheln, um Angriffe abzuwehren?

Reicht es aus, selber keine Angriffsgedanken zu hegen oder frei von jeglicher Opferhaltung zu sein? Sicher werden viele Angriffe dadurch provoziert. Dennoch glaube ich an die Notwendigkeit eines Abwehrschirms zur Einhaltung der inneren und äußeren Grenzen. Ich arbeite da mit einer Art mentalem Schutzschild, bestehend aus gedachten und gefühlten Stacheln. Und der ist für einen Angriff definitiv nicht zu gebrauchen. Manchmal stelle ich mir vor, das ich eine Rose bin, die ihre Schönheit mit Stacheln schützt und Angreifer damit auf Abstand hält. Die Verbindung mit meiner Schönheit, meinem Duft und meiner Seele jedoch, die steht allen offen, die sich achtsam und wohlwollend nähern.

Unlängst las ich in einem Buch, dass solche mentalen Schutzschilder auch um Wohnungen, Gebäude oder gar komplette Ortschaften errichtet werden können. Bei einem größeren Objekt wird allerdings auch ein Kollektiv von Erbauern für einen funktionierenden Schutzschild benötigt. Ob das nun möglich ist oder nicht sei dahingestellt – auf jeden Fall versuche ich mich nicht darin einzuschränken an die unendliche, schöpferische Kraft des Geistes zu glauben. Und diese Kraft kann bekanntlich Berge versetzen, wie uns Jesus von Nazaret in Überlieferungen versichert.

  1. Lars Breidenbach’s avatar

    Liebe Thea,
    ja, ja… ja!

  2. thea’s avatar

    lieber lars … es geht hier ja auch nicht um objektive wahrheiten. manchmal haben wir das bedürfnis, uns zu schützen, einen sicheren ort vorzufinden, wo sich etwas zartes, schutzbedürftiges in uns ereignet. ein ander mal glühen wir, wissen nicht, wohin mit unserer energie, schreiten vom innersten ins außen. klar, dass da keiner schutz anmeldet.

    ich verstehe deine artikel als momentaufnahmen, die sich alle — wie perlen an einer kette — aneinanderreihen. das leben ist von mal zu mal wieder anders. DAS zu lernen ist das einzige, was uns bleibt …

    lg thea

  3. Lars Breidenbach’s avatar

    Ich habe auch eine nicht öffentliche Reaktion auf diesen “Ansatz” erhalten, die in eine ähnliche Richtung zielt… sicher war es missverständlich ausgedrückt, in diesem Kontext nur von Angriffen zu sprechen. Ich beziehe da jetzt mal Unglücke und Krankheiten aller Art mit ein. Und ein mentales Schutzschild ist für mich auch das arbeiten mit Schutzengeln, Schutzgeistern, Bioschildern, Bannkreisen, Segnungen, Räucherritualen…

    Der Glaube und das Praktizieren mit mentalen Schutzschildern führt in meinen Augen zu mehr Selbstsicherheit, die wiederum eine entsprechende Ausstrahlung und Wachsamkeit bewirkt.

    Einander näher bringt uns sicherlich nur die Begegnung mit “offenem Visier”, da stimme ich dir natürlich zu. Jegliche Schutzschicht verhindert zuerst einmal eine tiefere Verbindung. Ich zitiere Eckhart Tolle: “Nur durch den Verzicht auf deinen Widerstand, nur durch dein Verwundbar-werden kannst du deine wahre und essentielle Unverwundbarkeit entdecken.” Tolle spricht hier von der Unverletzbarkeit der Seele. Ein Leben im Bewusstsein dieser Unverletzbarkeit bedeutet ein angstfreies Leben in der absoluten Hingabe, ohne Angriff und Verteidigung – und ist wohl einer der wesentlichen Erleuchtungsfaktoren.

  4. lana’s avatar

    Interessanter ansatz, aber ist nicht jeglicher angriff der eigentliche ausdruck von angst? wenn dem so ist, ist es dann wirklich nötig seine ‘stacheln’ auszufahren, reicht das geben von liebe dem angreifer gegenüber nicht aus? … schutzschilder zu errichten, bringt uns schliesslich einander nicht näher.