Heilung

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Dieser Vortrag vom Forum Erleuchtung 2013 enthält im ersten Teil wunderbare und einfache Übungen zum Energiefluss. Rein in die Praxis!
Der zweite Teil dokumentiert den sehr intensiven Austausch über das Thema zwischen den Teilnehmern des Forums.

Teil 2 bitte hier klicken

“Wer innehält, erhält inneren Halt und bleibt sich selbst erhalten.”

Laotse

Innehalten ist für mich ein einfaches Mittel, um sofort in die Präsenz zu kommen. Noch dazu ist es in fast jeder Lebenslage durchführbar. Einfach Innehalten, wenn ein Impuls dazu kommt: beim Arbeiten, beim Essen, beim Gehen, beim Sprechen, beim Tanzen, beim Abspülen… radikal und mittendrin jegliche körperliche und geistige Bewegung stoppen. Völlig grundlos. Einfach sehen, hören, schmecken, riechen, fühlen… das volle Repertoire der Sinneswahrnehmung! In der absoluten Schärfe der Gegenwärtigkeit. Falls der Geist noch plappert, ihn plappern lassen und ihm nicht folgen… alles darf sein wie es genau jetzt ist.

Innehalten ist eine Übung, die mir großen Spaß macht und den Horizont des Daseins enorm erweitert. Die Wahrnehmung verfeinert sich und es fällt mir nach einigen Monaten des Praktizierens immer leichter, ganz spontan in klarer Präsenz zu verweilen. Und ganz langsam und fast schon automatisch halte ich auch in der Bewegung inne, ist plötzlich Stille da! Sicher ist das Innehalten “auf Befehl” nur eine Technik… das erwachte Sein im Hier und Jetzt benötigt keine Technik oder Methode – erwachtes Sein ist ewiges, grundloses Innehalten – so zumindest meine Vorstellung, die natürlich nichts mit der Wahrheit zu tun hat :) Also spiele ich weiter mit den Dingen… und halte mich nicht fest am Innehalten.

Jedes wollen und nicht wollen ist letztlich Widerstand gegen das, was jetzt hier ist. Jedes wollen und nicht wollen basiert auf Wertung und Erwartung des denkenden Verstands. Jedes wollen und nicht wollen ist gedankliche Autosuggestion und führt zur Besonderung des Ich, zur Stärkung des Ego und damit in die Trennung.


Wie geht Wasser mit Widerständen um?

Solange wir etwas wollen, kriegen wir immer wieder die Kehrseite geliefert. Alles was wir nicht wollen, bekommen wir auch immer wieder – solange, bis wir akzeptieren, dass wir es nicht wollen. Wenn Widerstand sich ausdrücken darf, wenn Widerstand sein darf, dann löst sich der Widerstand. Alles darf so sein wie es ist. Das ultimative Okay zu allen Okays und Nicht-Okays ist der Schlüssel zum Frieden mit der Soheit des Lebens.

Hier ist nicht die Rede von akustischer Stille, sondern von Stille als Bewusstheitszustand, als reinem Gewahrsein dessen was ist. In dieser Stille ist tiefer Frieden und eine unbeschreibliche Weite. Hier ist Eins-Sein. Diese Stille ist die Sprache des Göttlichen. Diese Stille ist und bleibt der wahre Guru oder Lehrer.

Die Identifikation mit unserem Verstand und der unaufhörliche Gedankenstrom dagegen sind wie ein stark bewölkter Himmel. Er steht zwischen uns und der ungetrübten Wahrnehmung einer unendlichen Weite.

Ein Weg, um den Himmel zu klären führt über die Wahrnehmung dessen, was jetzt da ist. Das können alle Sinneswahrnehmungen, Gefühle, der Atem, körperliche Empfindungen oder Schmerzen sein. Wenn wir sie willkommen heißen, liebevoll und sanft beobachten… ohne den auftauchenden Gedanken und Geschichten Beachtung oder Glauben zu schenken… dann reißt die Wolkendecke auf und die ersten Sonnenstrahlen tragen Wärme ins Herz, das wahre Sein schimmert hindurch… wir kommen nach Hause.

In die Stille führen uns weder Sollen noch Wollen. Keine Anstrengung, keine Kontrolle, kein Suchen, kein Versuchen und keine Erwartungen. Nur einfaches Schauen, was gerade hier ist. Die Hingabe an genau das. Die Bereitschaft, alles zu fühlen. Die Bereitschaft, darin zu sterben.

Mit etwas Praxis verstummt der Verstand immer mehr und das Wunder des reinen Seins wird gewahr. Dieses Gewahrsein ist mit Worten nicht zu beschreiben. Es ist.

Die größte Falle, in die wir überhaupt tappen können, ist die, alles ernst zu nehmen – und vor allem uns selbst. Gesunder Humor ist ein Kennzeichen von Weisheit. Humor lässt uns einen Schritt zurücktreten und hebt uns auf eine höhere Bewusstseinsebene. Was sehen wir von dort oben? Die Seifenoper, in die wir verstrickt sind. Wenn wir in der Lage sind die Seifenoper zu identifizieren und sie einfach zu beobachten, entdecken wir den Nonsens in ihr. Non-sense = kein Sinn.

Dazu ein Sufi-Meister: “Du kannst dir sicher sein, dass alle Menschen, die in der Hölle sitzen, sehr kritisch sind und sich ernst nehmen. Mach es wie sie, wenn du in die Hölle willst. Im Paradies sind die Menschen immer am Feiern und sagen: Alles ist gut! Und sie haben recht, denn das ist die Wirklichkeit. Die Wirklichkeit ist das Paradies.” (aus: Das Kamel auf dem Dach / Burhanuddin Herrmann)

Kann es sein, dass alles -absolut alles- was uns geschieht, nur passiert, damit wir aufwachen? Das drängt sich mir immer deutlicher auf. Und so kann ich alles was geschieht mit Dankbarkeit annehmen… es gibt weder negative noch positive Ereignisse. Alles ist neutral.

Das Leben, oder besser die Intelligenz hinter dem Leben (oder müsste es heißen: die Intelligenz im Leben?) will, dass wir uns dessen gewahr sind. Anders ausgedrückt: Der Sinn des Lebens ergibt sich aus der Verbindung zum Göttlichen. Das Wunder der Existenz entfaltet sich, wenn wir dem Leben voll und ganz vertrauen, wenn wir jegliche Bewertungen, Vorstellungen und Urteile loslassen.

Der Nahost-Konflikt ist momentan omnipräsent in den Medien. Reihum gibt es Solidaritätsbekundungen für diese oder jene Seite der beteiligten Kriegsgegner. Schuldzuweisungen sind dabei obligatorisch. Und Schuld ist der Beton bei der Zementierung der Opfer- und Täterrollen. Der Konflikt scheint unlösbar. Und das ist er auch – zumindest so lange wir die Trennung zwischen Gut und Böse aufrecht erhalten.

Partei zu ergreifen ist einer Lösung des Konflikts absolut nicht dienlich. In Wahrheit sind beide Parteien zugleich Täter und Opfer. Mit der Tat wird der Täter immer auch zum Opfer. Alles, was wir anderen antun ist nichts als eine Form der Selbstbestrafung. Täter wie Opfer verdienen unser Mitgefühl, denn sie sind in Wahrheit eins.

Die eigentliche Frage ist doch: Wo liegt die tiefe Ursache des Nahost-Konflikts? Jeder Konflikt basiert auf Trennung, Angst, Verurteilung und Schuld. Am Anfang erheben wir uns über andere oder stellen uns unter andere. Das ist die einfache Wahrheit und die Ursache hinter der Gewalt. Niemand ist auserwählt, niemand ist etwas Besonderes. Niemand verdient es, Schmerz und Leid zu erfahren. Und niemand ist Schuld. Wir sind alle Brüder und Schwestern, die Verletzungen mit uns herumtragen. Unter diesen Wunden sind wir allesamt göttlich und heil. Tatsächlich haben wir nur vergessen, dass wir Brüder und Schwestern sind.

Der Nahost-Konflikt ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Zeit keine Wunden heilt. Diese Kraft besitzt nur die Vergebung. Sie ist das Wundermittel, dass zur Verbindung führt. Vergebung lässt das Eis in unseren Herzen schmelzen. Vergebung bereitet der bedingungslosen Liebe den Weg. Erst wenn wir jede und jeden unserer Schwestern und Brüder annehmen, wie sie sind, kann die Schuld, die Angst, alle Urteile und der Wunsch nach Vergeltung losgelassen und transformiert werden. Dann wird ein neues Zeitalter beginnen. Es ist das Zeitalter eines neuen Bewusstseins: Des Bewusstseins der Verbindung, des Eins-Seins, der Liebe, der Freude und des Friedens. Die Würde aller wäre tatsächlich unantastbar, und das nicht nur auf dem Papier. Kannst du dir eine solche Welt vorstellen?

“Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.” Für mich ist das der wichtigste Satz, der in der Bibel zu lesen ist. Diese Aussage ist der Schlüssel zum Leben und zur Wahrheit. Wobei es unmöglich ist, unseren Nächsten zu lieben, wenn wir uns nicht selber lieben. Alles beginnt in uns. Kein Gesetz ist bedeutsamer wie dieses. Und es ist verknüpft mit einer richtig guten Nachricht: Wir haben unser Heil selbst in der Hand.

Nur was wir uns selbst geben können, können wir anderen geben. Und: wir können nur empfangen, was wir schon in uns tragen. Nur wenn wir uns selbst lieben, sind wir fähig andere zu lieben. Nur wenn wir uns selbst lieben, können wir Liebende und Geliebte sein. Nur wenn wir uns selbst bedingungslos lieben, sind wir frei von jeglichem Kuhandel um Liebe. Alle mit Liebe verknüpften Bedingungen führen unweigerlich zu Schuld, Scham, Angriff und Verteidigung, einer Opfer-Täter-Dynamik und zu Mißbrauch. Wahre Liebe ist bedingungslos, sonst ist sie keine wahre Liebe.

Alles beginnt in uns. Nur wenn wir uns selbst vergeben, sind wir fähig anderen zu vergeben. Nur wenn wir uns selbst segnen, sind wir fähig andere zu segnen. Nur wenn wir unseren inneren Frieden finden, wird die Welt um uns herum Frieden finden. Auf den Pfad gelangen wir durch bewusstes Sein. Indem wir uns als unschuldig betrachten und uns selbst urteilsfrei beobachten, ohne auch nur irgendetwas verändern zu wollen, erwachen wir zu einem bewussterem Leben. Jegliches urteilen und ändern wollen hält uns dagegen in der Dynamik von Schuld und Scham gefangen und hindert uns an der Befreiung.

Befreiung finden wir in der Wahrheit, dass wir liebenswert sind – jetzt, zu jeder Zeit und so wie wir sind. Diese Wahrheit macht uns frei.

So ist Sanftmut uns selbst gegenüber ein wesentlicher Schlüssel auf dem Weg zur Heilung. Bewusstes, tiefes und ruhiges Atmen ist der Motor und Indikator für unsere Selbstfürsorge. Diese an jedem Ort, bei allen Tätigkeiten und in allen emotionalen Zuständen praktizierbare Übung führt uns an den Anfang – zu uns selbst.

Mut. Dass du du bist oder wirst wer du bist. Erkenntnis. Dass du den Widerstand aufgeben kannst gegen das was ist. Hoffnung. Dass du die Dinge ändern kannst, die in deiner Macht stehen. Wohlstand. Dass kein Gedanke des Mangels in dir ist. Bewusstheit. Dass du die Erfahrung des Eins-seins machst. Kreativität. Dass du deine Schöpferkraft leben kannst. Erwachen. Dass du die Göttlichkeit deines Wesens siehst. Heilung. Dass du dich jetzt für das Leben entscheidest. Liebe. Dass du ebenso leicht nehmen wie geben kannst. Wissen. Dass du dankbar sein kannst. Gemeinschaft. Dass du im Kontakt bist mit dir und dem Universum. Kraft. Dass du vergeben kannst. Klarheit. Dass du Verantwortung übernehmen kannst. Freiheit. Dass du erkennst, dass du unverletzlich und ewig bist. Stille.

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