Kraftbäume

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Die abgebildete Linde steht wenige Meter vor meiner Haustüre und ist etwa 300 Jahre alt. Seitdem der Orkan Lothar mehrere gleich alte Linden auf dem Platz umgerissen hat, ist die Linde als letzter alter Baum nicht nur der botanische Mittelpunkt auf dem Gelände der ehemaligen Staatsdomäne. Die Linde überlebte, da sie im Windschatten des Hauses stand und spendet im Gegenzug dem Gebäude Schutz und Segen. Für mich ist diese Linde in ihrer altehrwürdigen Pracht so etwas wie ein persönlicher Weltenbaum.

Der gewaltige wie knorrige Stamm, dessen Wurzeln fest mit der Erde verbunden sind, die stark verzweigten Äste, die sich in alle Himmelsrichtungen weit ausdehnen, dazu die beachtliche Höhe des Baumes… in Verbindung mit der Linde bin ich im Mittelpunkt dieser Welt, in Kontakt mit Himmel und Erde, ich fühle mich geschützt und gestärkt. Während des Winters beobachtete ich eine Vielzahl von Vögeln, die sich an der bemoosten Rinde auf Nahrungssuche begeben und jetzt strahlt die Linde in freundlichem, satten Grün.

Der Baum inspirierte mich auch zu einer kraftvollen Übung, die ich täglich praktiziere und die nur ein paar Minuten in Anspruch nimmt: Ich stehe mit geschlossenen Augen und leicht gebeugten Knien in der Mitte eines Zimmers. Die Arme hängen herunter und die Handrücken berühren sich. Nun stelle ich mir vor, dass ich an den Füßen tiefe Wurzeln treibe, spüre die feste Verankerung im Boden und wie die Erde mich nährt. Mit dem Einatmen erhebe ich nun meine Hände langsam zur senkrechten Körperachse, die Handrücken bleiben in Berührung. Dabei wachse ich stetig wie ein Baum. Beim Beginn des Ausatmens sind die Arme gestreckt über dem Kopf, die Hände öffnen sich nun wie eine Blüte und die Arme breiten sich wie eine Baumkrone seitlich aus. Ich fühle in diesem Moment, wie ich blühe, leuchte und mich ausbreite, von den Kräften des ganzen Universums genährt. Diese Übung wiederhole ich drei bis fünf mal, oder bis ich deutlich spüre, dass meine Lebensenergien gestärkt sind.

Birken strahlen auf mich eine sehr weibliche Energie aus. Da sind die leuchtenden Stämme, die sich oft elegant winden und strecken, und die jeden noch so heftigen Sturm dank ihrer Biegsamkeit überstehen, die lindgrünen, feinen Blätter, jetzt im Herbst vor dem Blattfall orange bis zitronengelb, dazu die samtweiche Rinde an den unverschorften Stellen der Stämme – wunderschön zum anfassen. Ein Lichtbaum, besonders an grauen Novembertagen!

Baumelefant

Die von mir fotografierte Eiche ist ein Kraftbaum mit besonders mystischer Ausstrahlung. Sie steht am Südhang des Freiburger Schlossbergs, wächst auf einer Natursteinmauer und besitzt einen Stammumfang von sagenhaften 7 bis 8 Metern an der Basis. Der Baum dürfte schon einige Hundert Sommer und Winter erlebt haben und wäre eine prima Kulisse für Fantasy-Filme. Ich spüre beim Anblick des Baums die große Würde des Alters, eine gigantisch tiefe Verwurzelung, sehe die vielen Wunden in Form von Rissen und abgebrochenen Seitenstämmen und befinde mich sofort auf einer Zeitreise ins späte Mittelalter. Die Rinde wirkt wie die Haut einer Urzeitechse und fühlt sich so rau und brüchig an wie sie aussieht. Die momentane Nacktheit der Eiche unterstützt den mystischen Charakter des alten Riesen, dem ich vor dem Weiterwandern ehrfürchtig weitere Jahrhunderte Leben wünsche.

Mächtige Buchen gehören zu meinen liebsten Kraftbäumen. Mit ihrer silbernen Rinde, die sich wie sehr feines Sandpapier anfühlt, den schlank aufschießenden, manchmal in sich verdrehten, hoch wachsenden Stämmen und den zarten Grüntönen der Blätter im Frühsommer besitzen diese Laubbäume ein sehr elfenhaftes Wesen. Dazu ähnelt keine Buche einer anderen, die Spielarten im Wuchs dieser Bäume sind scheinbar unendlich. Buchen strahlen für mich Eleganz, zähe Kraft, Hoffnung und Zuversicht aus.

Weitere, schon besprochene Kraftbäume: Der Mammutbaum.

In und um Freiburg wachsen zahlreiche Mammutbäume, von denen einige schon imposante Stämme ausgebildet und eine beeindruckende Höhe erreicht haben. Dieser Baum steht in der Freiburger Innenstadt und besitzt einen Stammumfang von schätzungsweise sechs Metern. Mammutbäume sind für mich absolute Kraftbäume, die Stärke, Erhabenheit, Würde und Ruhe ausstrahlen. Die Rinde fühlt sich auch im Winter warm und weich an, so sind Mammutbäume ideale Bäume zum Umarmen und Küssen (Probiert das mal!). Mit meinen Händen nehme ich die Kraft der Bäume auf und lasse sie durch meinen Körper fließen. Dann sende ich dem Baum Energie aus meinem Herzen und wünsche ihm beim Abschied ein gesundes, langes Leben. Das ganze Leben ist Geben und Nehmen.