Die abgebildete Linde steht wenige Meter vor meiner Haustüre und ist etwa 300 Jahre alt. Seitdem der Orkan Lothar mehrere gleich alte Linden auf dem Platz umgerissen hat, ist die Linde als letzter alter Baum nicht nur der botanische Mittelpunkt auf dem Gelände der ehemaligen Staatsdomäne. Die Linde überlebte, da sie im Windschatten des Hauses stand und spendet im Gegenzug dem Gebäude Schutz und Segen. Für mich ist diese Linde in ihrer altehrwürdigen Pracht so etwas wie ein persönlicher Weltenbaum.

Der gewaltige wie knorrige Stamm, dessen Wurzeln fest mit der Erde verbunden sind, die stark verzweigten Äste, die sich in alle Himmelsrichtungen weit ausdehnen, dazu die beachtliche Höhe des Baumes… in Verbindung mit der Linde bin ich im Mittelpunkt dieser Welt, in Kontakt mit Himmel und Erde, ich fühle mich geschützt und gestärkt. Während des Winters beobachtete ich eine Vielzahl von Vögeln, die sich an der bemoosten Rinde auf Nahrungssuche begeben und jetzt strahlt die Linde in freundlichem, satten Grün.
Der Baum inspirierte mich auch zu einer kraftvollen Übung, die ich täglich praktiziere und die nur ein paar Minuten in Anspruch nimmt: Ich stehe mit geschlossenen Augen und leicht gebeugten Knien in der Mitte eines Zimmers. Die Arme hängen herunter und die Handrücken berühren sich. Nun stelle ich mir vor, dass ich an den Füßen tiefe Wurzeln treibe, spüre die feste Verankerung im Boden und wie die Erde mich nährt. Mit dem Einatmen erhebe ich nun meine Hände langsam zur senkrechten Körperachse, die Handrücken bleiben in Berührung. Dabei wachse ich stetig wie ein Baum. Beim Beginn des Ausatmens sind die Arme gestreckt über dem Kopf, die Hände öffnen sich nun wie eine Blüte und die Arme breiten sich wie eine Baumkrone seitlich aus. Ich fühle in diesem Moment, wie ich blühe, leuchte und mich ausbreite, von den Kräften des ganzen Universums genährt. Diese Übung wiederhole ich drei bis fünf mal, oder bis ich deutlich spüre, dass meine Lebensenergien gestärkt sind.





