Ich gehe den Camino del norte. Ich gehe für mich. Ich gehe für meine Familie. Ich gehe für die Ahnen. Ich gehe für die Mutter Erde. Ich gehe für dich. Ich gehe im Bewusstsein und Verehrung der einen Lebenskraft, die durch alles fließt. Möge ich aufrecht, kraftvoll und in Schönheit gehen. Möge ich in Frieden gehen. Ich gehe so, wie es für mich bestimmt ist. Om Namah ShivayaInschallahSub conditione Jacobaea.

Nota bene: Mit dem Ankommen in Santiago de Compostela war für die Menschen im Mittelalter die Erdenpilgerschaft beendet – das Ziel des Unterwegssein zu Gott ist erreicht. Es ist ein Ankommen in dem, was wir immer sind und nicht nicht sein können. Und somit führt dahin auch kein Weg… und doch: Gehen geschieht, Wege werden beschritten… die nächste Erfahrung, der nächste Schluck Kaffee. Leben!

Kennst du dieses Reinfallen ins absolute Nichtwissen, dieses Absaufen in Hilflosigkeit? Weil da nichts mehr ist zum festhalten? Wenn die Leerheit der Dinge erkannt ist, die Welt der Erscheinungen wie ein Traum gesehen wird… der schon zu Ende geträumt ist. Es ist schon passiert. Der Ablauf der manifesten Welt ist unvermeidlich. Nichts ist in meiner Hand.

Am Grund des Sees ist Klarheit, Liebe und Frieden, doch das Tiefersinken durch immer dunklere Gewässerschichten und die Luftknappheit wecken Ängste und Zweifel… das Ich – ein Phantom, maskiert mit Konzepten, Vorstellungen und Anhaftungen – kämpft ums Überleben. Die christlichen Mystiker des Mittelalters nannten das die “Dunkle Nacht”. Was galt schon damals als “Therapie”? Geschehenlassen… das “Aufmerken zu Gott hin”, die Hinwendung an das Göttliche als einzigstes Tun.

Vermutlich aus der Feder von Fray Juan de la Cruz (Johannes vom Kreuz) stammen diese Zeilen:

“Nichts soll dich verstören
nichts dich erschrecken
alles vergeht,

Gott ändert sich nicht.
Geduld
erlangt alles;

wer Gott hat,
dem fehlt nichts.
Gott nur genügt.”

Dem füge ich folgende Zeile hinzu:

Gott allein ist.

Im Hineinfallen in diese Wahrheit löst sich die Dualität auf, geschieht die Hingabe der Hingabe. Hier endet die Nacht, oder besser gesagt: hier stirbt derjenige, der die Nacht erfährt. Und denjenigen, der stirbt, hat es niemals gegeben – deshalb gibt es auch niemanden, der DAS machen kann. Es geschieht oder es geschieht nicht. In tiefer Hingabe an das Göttliche kümmert das auch niemanden.

Zwei Schwingen
getragen

vom Wind

in Freiheit
in Freiheit
in Freiheit

Zwei Schwingen
getragen

vom Wind

in Schönheit
in Schönheit
in Schönheit

Zwei Schwingen
getragen

vom Wind

im Vertrauen
im Vertrauen
im Vertrauen

Zwei Schwingen
getragen

vom Wind

Wunderbarer Satsang mit Pari vom One Spirit Festival 2015 in Freudenstadt.

Was ist es, was durch alle Wesen west?

Die Kraft, die alle Körper belebt, bewegt, beatmet. Diese Macht, dieses höchste Prinzip ist unsichtbar, unbeherrschbar und absolut unpersönlich.

Dieses höchste Prinzip persönlich zu nehmen bedeutet Gefangenschaft. Es zu konzeptualisieren oder gar nur zu benennen bedeutet zwangsläufig Trennung. Rechthaberei um das “richtige” Konzept führt schließlich zu Zerstörung, Leid und Tod. Doch auch das ist der Ausdruck dieser einen Kraft.

Die reine Verehrung dieses Prinzips ist das, was befreit. Die reine Verehrung dieses Prinzips führt dahin, wo es keine zwei gibt. Hier ist Frieden.

Keine Aufgabe,
kein tieferer Sinn
außer hier sein
und so sein.

TOTAL EGAL wie!

Keine Kontrolle,
keine Verantwortung,
da absolut kein Entkommen
aus dem SEIN-WAS-ICH-NICHT-NICHT-SEIN-KANN.

Was bleibt?

Freies Spiel (What can you offer me today?)
Schmerz, Freude… (wie die Wolken am Himmel)
So etwas wie konzeptions- und objektlose Liebe (Wörter!)
und die Schönheit der Kornblume (der Duft der Maya)

SATT-SHIT-ANANDA!

Der Weg

Führt er hinein
oder hinaus,
ist er das Ziel
oder blanke Illusion?

Sehen geschieht.
Alles geschieht.
So und nicht anders.

Da ist nichts
das mir geschieht.
Und da ist nichts
das ich nicht bin.

Ich bin
im Erscheinen
und im Verschwinden

Ich bin das
aufdem Erscheinen
und Verschwinden geschieht.

Ich bin das,
was ist.

Ich war schon
bevor ich bin.

Sei offen für alles was jetzt hier ist.
Tritt beiseite, lasse es geschehen.
Gebe alle Bemühungen und jeglichen Schutz auf.
Sei mutig und lade die Monster aus dem Keller zum Tee ein.
Fühle sie so total, bis sie im Gewahrsein verbrennen.
Springe wie aus einem Flugzeug in die Tiefe.
Falle ins Sein, stirb ins Nichtsein.
Und DU BIST ALLES, nur nicht DU.

(inspired by a seminar with Christian Meyer)

Dahinfließen… mit der Freude, mit dem Schmerz… immer hier, immer jetzt, immer im Immer… mehr ist nicht zu tun, mehr wird nicht gebraucht.

Bildausschnitt aus “mare”, Dispensionsfarbe auf Holzfaserplatte

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